Wild Dogs (Cani Arrabbiati), Bava, IT 1974

Wild Dogs (Cani Arrabbiati), IT 1974

mit Riccardo Cucciolla, Don Backy, Lea Lander, Maurice Poli, Luigi Montefiori (George Eastman)
Regie: Mario Bava (Lamberto Bava)

In der Eröffnung des Thrillers „Wild Dogs“, ebenfalls bekannt als „Rabid Dogs“ und „Kidnapped“, überschlagen sich die Ereignisse. Ein blutiger Überfall auf einen Geldtransport mündet in eine rasante Verfolgungsjagd, welcher der erste Gangster zum Opfer fällt, und scheitert mit der Geiselnahme in einer Tiefgarage. (mehr …)

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Der Unzersägbare

Der Tod eines bewunderten Künstlers kann einem schon sehr nahe gehen, auch wenn man den Menschen persönlich eigentlich gar nicht gekannt hat. Allein sich in dessen Werk wiederzufinden erzeugt eine – wenn auch einseitige – Verbundenheit, die sein Verschwinden dann zu einem schweren Verlust macht.

Bei Tobe Hooper geht mir das so. Wo immer sein Name draufstand oder auftauchte fühlte ich mich schon von kleinauf sofort verstanden und zuhause. Das Eintreffen der Todesmeldung nun erzeugt bei seinen Fans und bei mir als Fan einfach nur stumme, hilflose Traurigkeit.

Immerhin: Ein ganz großer Traum ging für mich 2014 in Erfüllung: Ich habe Tobe Hooper einmal kurz die Hand geschüttelt – bei den Filmfestspielen in Cannes, wo auf der Quinzaine de Realisateurs das Jubiläum der Uraufführung des Kettensägenmassakers gefeiert wurde. Und damit auch Tobe Hooper. Vierzig Jahre zuvor war der Film dort zum Teil ausgebuht worden – alle drei Vorführungen wurden damals von Bombendrohungen und Zwischenrufen begleitet, manche sahen in dem Schocker ein faschistoides Menschenbild gespiegelt.

Heute und hier in Cannes ist das anders. Heute ist „The Texas Chainsaw Massacre“ längst im Kanon der Filmklassiker. Seine filmhistorische Bedeutung ist beurkundet. Und natürlich wird Hooper immer in erster Linie auf diesen Film festgelegt bleiben, was eigentlich schade ist, wo er doch so viele tolle Filme gemacht hat.

Jurymitglied Nicolas Winding Refn hält eine Laudatio auf Hooper, und schwärmt natürlich ebenfalls davon, wie ihn gerade DIESER Film, „The Texas Chainsaw Massacre“, zum Filmemachen gebracht hat und zu dem Wunsch, andere mit seinen Filmen „zu penetrieren.“

Ein Schmuddelfilmer als Kulturliebling

Es ist ein Kreisschluss für Hooper, zurück an dem Ort, wo damals seine Karriere begann. Es ist aber unübersehbar auch ein Abgesang, kein Neubeginn. Der kleine grummelige Mann aus Texas, dessen berufliche Laufbahn von so vielen Triumphen und Fehlschlägen gekennzeichnet war, erntet den Ruhm eines langen Filmemacherlebens.

Schon in den Sechziger Jahren hatte er damit angefangen, drehte einen Kurzfilm, „The Heisters“, eine Slapstik-Komödie im Stil von Roger Corman. 1969 dann „Eggshells“, einen Experimentalfilm mit der Frische und dem Erfindungsgeist, den andere ihr ganzes Leben lang nicht aufbringen. Der Film floppt, selbst im Studentenkino. Jahrzehntelang bleibt dieses Frühwerk verschollen. Erst fünf Jahre später kommt der nächste Film, „The Texas Chainsaw Massacre“, und damit der Einstieg in die Achterbahn des Hollywood-Film Business.

Poltergeist“, bei dem man schon sehr genau hinsehen muss, um ihn als typischen Hooper zu erkennen, war als Kind mein absoluter Lieblingsfilm. „Funhouse“, „Death Trap“, „Salem‘s Lot“ und selbst „Spontaneous Combustion“ sind hervorragende, aber fundamental unterschätzte Filme.

„Texas Chainsaw Massacre 2“ sah man als VHS-Bootleg. Diese Selbstparodie ohne Lacher wird noch heute dafür gehasst, alles anders gemacht zu haben als in Teil 1. The Mangler“, eine heute fast völlig vergessene Stephen-King-Verfilmung, ist eine auf Zelluloid gebannte Ungeheuerlichkeit, die mich mit 20 in den Kinosessel bannte. Meines Wissens nach der letzte Hooper hierzulande mit einem regulären Kinostart.

Wo andere sich verbogen, blieb Tobe Hooper stets gerade – wetterfest und unzersägbar. Sein Thron als Horrorkönig war aus Titan gefertigt! Als Erfinder des Slasherfilms, Entdecker von Robert Englund, verstoßenes Stiefkind von Spielberg, Zigarrenraucher in einer ansonsten zunehmend keimfreien (Horror-)Welt konnte ihm eigentlich keiner was, schon gar nicht das Wasser geschweige denn den Aschenbecher reichen.

Am Ende, nach „Crocodile“ und „Mortuary“, nach „Masters of Horror“ und „Tool Box Murders“, kurz: nach all dem Schund, der nicht unbedingt eines so prominenten Regisseurs bedurft hätte, kam zuletzt noch „Djinn“, der in den Vereinigten Arabischen Emiraten gedreht und zunächst lange unter Verschluss gehalten wurde, bevor er dann, wie seine letzten 20 Filme auch, direct-to-video ausgewertet wurde. Fehlte nur noch der Einzug ins Big-Brother-Haus.

Was wirklich in ihm vorging konnte erfahren, wer zu seinem autobiografisch angehauchten Roman griff: „Midnight Movie“, in dem er sich selbst literarisch zum rüpelhaften Schundfilmregisseur stilisierte, und der die (tatsächliche) Wiederentdeckung von „Eggshells“ zum Inhalt hat. Die Wut und der Witz seines berühmtesten Filmes – die „Leck-Mich“-Attitüde und die kritische Distanz zum Film- und Fanbetrieb – aber auch die kreative Lust und die Grenzenlosigkeit – in diesem chaotisch subversiven Machwerk sind sie noch immer spürbar.

Menschen sterben – Filme bleiben

2014 in Cannes, auf der Bühne, spricht von Hoopers Spätwerk aber keiner mehr. Außer Winding Refn, der in sich in seiner Vorrede vornimmt, nicht dieselben Fehlentscheidungen zu treffen wie sein Vorbild. Tobe „Leck mich“ Hooper nimmt‘s gelassen. Als er jetzt selbst auf die Bühne kommt, herrscht fast zehn Minuten lang frenetischer Applaus. Hooper saugt diesen förmlich auf. Immer, wenn das Klatschen nachlässt, hebt er die Hände zur Champion-Geste und entflammt den Jubel von Neuem. Das Publikum umarmt ihn. Immer und immer wieder reißt Hooper die Arme hoch, und das Publikum folgt: Da Capo für den Meissterregisseur, auf sein Kommando brandet der Applaus hoch, ein klasse Beispiel dafür, wie sehr er auch jetzt, auf der Bühne, sein Publikum zu manipulieren vermag.

Nach dem Film rauschen die Massen zum Ausgang. Wir von Randfilm erwischen eine falsche Abzweigung, und da steht er plötzlich höchstselbst, mitten im Foyer des Filmfest-Kinos: der Erfinder von Leatherface und Industrial-Musik.

Ich frage nach einem Foto, er nickt. Pflichtbewusst und höflich lässt er sich mit mir ablichten, von meiner Frau, die so nervös ist, dass sie mehrfach abdrücken muss, ohne zu verwackeln.

Ich weiß nicht, was ich sagen soll, darum sage ich einfach, was mich in diesem Moment, wo alle nur TCM, TCM und eine Rückkehr zur alten Form von ihm wollen, spontan durch den Kopf geht: Nämlich, dass ich alle seine Filme mag. „I like ALL of your films.“ Fast schon ein bisschen entschuldigend, als würde sein Werk jenseits von TCM überhaupt einer Rechtfertigung bedürfen, und dann auch noch ausgerechnet von mir.

Er aber weiß schon Bescheid, tätschelt meine Schulter und knurrt: „Alright. Thank you.“ Mit der bitteren Süßigkeit der Dr. Pepper-Cola, die er so gerne trinkt.

Drei Jahre sind das jetzt her, und ich kann gar nicht glauben, dass er nie wieder einen Film drehen wird. Auch keinen schlechten. Eine Rückkehr zur alten Form war ihm, glaube ich, ohnehin nie so wichtig wie seinen Fans. Er war ein Filmemacher mit Leib und Seele. Was er geleistet hat, wird bleiben.

Dafür möchten wir Dir danken, Tobe. Wir – die wir Deine Filme lieben.
Und zwar jeden einzelnen.

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Tina Tonagel

Die bildende Künstlerin Tina Tonagel lebt in Köln. Sie beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit Licht, Klang und Elektronik. Sie entwickelt kinetische Maschinen, Klang-Installationen und verschiedene Formen der Projektion. In den letzten Jahren liegt ihr Schwerpunkt auf der Visualisierung von Musik. Sie entwickelte unter anderem elektronisch gesteuerte mechanische Klang-Apparate, die analog zu den entstehenden Klängen suggestive und poetische Projektionen erzeugen.

Seit 2007 überträgt sie Elemente dieser Installationen in audiovisuelle Performances, bei denen sie selbstkonstruierte elektronisch verstärkte Musikinstrumente auf den Leuchtflächen von Overheadprojektoren platziert.

Die Ausstellung „Zeichen und Wunder“ entstand während ihres Studiums an der Kunsthochschule für Medien Köln.

 

Quelle Bild: privat

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live audiokommentar, stiglegger, naumann, randfilmfest 2016

Live-Audiokommentar
Sa./26.11./20:00 Uhr

mit Prof. Dr. Marcus Stiglegger und Dr. Kai Naumann. Zwei Stühle – ein Film: „The Witch That Came From the Sea“ – als Deutschlandpremiere! Sei dabei, wenn Prof. Dr. Marcus Stiglegger und Dr. Kai Naumann einen ihrer legendären Audio-Kommentare für eine Blu-Ray-Veröffentlichung aufzeichnen – Live vor Publikum! Mit Witz, Charme und Wissen.

Eine einmalige Chance!

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randfilmfest 2016 totenwald bild: xrobakx

Totenwald
Sa./26.11./23:30 Uhr

Totenwald variieren zwischen Batcave, Goth und Punk und feiern eine körperliche und wilde Show, die dem Randfilmfest eine Punkclub Atmosphäre geben wird, die seinesgleichen sucht! Die selbsterklärten Immigrant Punks brauchen keine Normen und verzichten auf das klassische Gitarre, Bass, Schlagzeug – Punkprinzip und bedienen sich an Drumcomputer und Saxophon. Wir sind sehr gespannt auf die Totenwald Show und freuen uns auf pogo, moshpits und blutende Ohren im Interim!

https://thisistotenwald.bandcamp.com

Quelle Beitragsbild: xrobakx

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Nekromantik 2 – 25th Anniversary-Gala
So./27.11./19:00 Uhr (Einlass 18:00 Uhr) im BALLSAAL HOTEL REISS

Live-Filmkonzert mit Monika M., Jens Friebe, Andre Abshagen und Laura Landergott („Ja, Panik“)

Der Skandalfilm aus dem Jahr 1991 feiert in diesem Jahr sein 25. Jubiläum in Kassel!

Zusammen mit ihrer prominent besetzten Band bringt Hauptdarstellerin Monika M. die Filmmusik simultan zur Filmvorführung live auf die Bühne! Eine einmalige Sache – exklusiv auf dem Randfilmfest.

Einstmals von der Zensur bedroht, steht der lyrische Totengesang heute längst im Kanon deutscher Kinomeisterwerke neben den Filmen von Murnau und Fassbinder. Und  doch hat er nichts von seiner schockierenden Schlagkraft verloren. Dabei kommt er fast ohne Dialoge aus. Der raffiniert instrumentierte und nur scheinbar minimalistische Soundtrack schafft eine traumwandlerische Seelenlandschaft zwischen Schrecken und Faszination. „Nekromantik 2“ setzt voll auf die sinnliche Wucht seiner Bilder und die Leinwandpräsenz von Hauptdarstellerin Monika M., die auch maßgeblich am Soundtrack beteiligt war.

Als gebürtige Kasselanerin ist das Filmkonzert Jubiläum für sie auch ein Wiedersehen mit der Heimat.

Als Stargast wird Jörg Buttgereit anwesend sein. Zusammen mit dem Filmemacher Klaus Stern und dem Leiter des Sepulkralkundemuseums Kassel wird es vor dem Film eine kurze Einführung in Form eines Podiumsgesprächs über die bewegte Geschichte des Films, sowie über die letzten Tabus wie Sexualität und Sterben geben.

 

 

 

 

Quelle Bild: Eric Lahmann

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Meine Nächte sind schöner als Deine Tage, Fr 1989

mit Sophie Marceau, Jaques Dutronc, Valerie Lagrange, Laure Killing
Regie: Andrzej Zulawski

Die Entdeckung des Monats: eine amour fou wie es selten eine gab. Von Andrzej Zulawski, dessen Film „Possession“ auf dem letzten Randfest lief, dessen übriges Werk aber kinovorführtechnisch in Deutschland weitgehend unerschlossen ist. Dieser hier hatte zumindest einen ordentlichen Kinostart. Und jetzt, 2016: eine lausig synchronisierte DVD ohne OmU.

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Das Wunder von Macon, GB, FR, DE, NL 1993

mit Julia Ormond, Ralph Fiennes, Philip Stone, Jonathan Lacey
Regie: Peter Greenaway

Kurz nachdem er mit „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ und „Prospero`s Bücher“ in den Neunzigern endgültig zum Feuilltonliebling aufgestiegen war, rückte Greenaway seinem Publikum mit einem Film zu Leibe, der selbst hartgesottenen Kulturfreunden Bauchschmerzen bescherte und das unversöhnliche Gefühl, daß der kunstbeflissene Provokateur mit der Liebe zu schwelgerischen Tableaus und dem Hang zu moralischem Defätismus diesmal entschieden zu weit gegangen war. (mehr …)

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