Das Wunder von Macon, GB, FR, DE, NL 1993

mit Julia Ormond, Ralph Fiennes, Philip Stone, Jonathan Lacey
Regie: Peter Greenaway

Kurz nachdem er mit „Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber“ und „Prospero`s Bücher“ in den Neunzigern endgültig zum Feuilltonliebling aufgestiegen war, rückte Greenaway seinem Publikum mit einem Film zu Leibe, der selbst hartgesottenen Kulturfreunden Bauchschmerzen bescherte und das unversöhnliche Gefühl, daß der kunstbeflissene Provokateur mit der Liebe zu schwelgerischen Tableaus und dem Hang zu moralischem Defätismus diesmal entschieden zu weit gegangen war. (mehr …)

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Wild Dogs (Cani Arrabbiati), Bava, IT 1974

Wild Dogs (Cani Arrabbiati), IT 1974

mit Riccardo Cucciolla, Don Backy, Lea Lander, Maurice Poli, Luigi Montefiori (George Eastman)
Regie: Mario Bava (Lamberto Bava)

In der Eröffnung des Thrillers „Wild Dogs“, ebenfalls bekannt als „Rabid Dogs“ und „Kidnapped“, überschlagen sich die Ereignisse. Ein blutiger Überfall auf einen Geldtransport mündet in eine rasante Verfolgungsjagd, welcher der erste Gangster zum Opfer fällt, und scheitert mit der Geiselnahme in einer Tiefgarage. (mehr …)

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Django, IT 1966

mit Franco Nero, José CanalejasLoredana Nusciak
Regie: Sergio Corbucci

„Ich bin Django und wenn du bei mir bleibst, wird dir kein Mensch etwas tun.“ Was für ein Versprechen! Untersichtig und in Großaufnahme gefilmt, wirkt Django, titelgebende Hauptfigur des Films, übermächtig und auch ein bisschen irreal – eine Erscheinung auf die wir alle warten, Worte, die wir alle hören wollen.

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Das Geheimnis der gelben Särge

Cannes Film Festival 2016 – eine Rückschau im Blindflug

Manchmal wird das Leben, wenn man die Dinge bloß flüchtig, so halb links aus dem Augenwinkel heraus betrachtet, plötzlich unerwartet interessant.

So also neulich, als ich, auf dem Weg zur Arbeit, wie immer zu spät, in Richtung meines Autos hetzte, die Aufmerksamkeit voll auf seinen möglichen Aufenthaltsort gerichtet, (es war gestern spät und die Parkplatzsituation in dieser Gegend katastrophal – ich hatte schlicht vergessen, wo es stand), auf dem Weg durch den Hausflur etwas wahrgenommen haben mußte, allerdings nur unterschwellig, wie die Figur aus einem Dario-Argento-Giallo, ein wichtiger Clue, der alles entscheidende Hinweis, dessen wahre Bedeutung mir allerdings nicht sofort einleuchten sollte.

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Meine Nächte sind schöner als Deine Tage, Fr 1989

mit Sophie Marceau, Jaques Dutronc, Valerie Lagrange, Laure Killing
Regie: Andrzej Zulawski

Die Entdeckung des Monats: eine amour fou wie es selten eine gab. Von Andrzej Zulawski, dessen Film „Possession“ auf dem letzten Randfest lief, dessen übriges Werk aber kinovorführtechnisch in Deutschland weitgehend unerschlossen ist. Dieser hier hatte zumindest einen ordentlichen Kinostart. Und jetzt, 2016: eine lausig synchronisierte DVD ohne OmU.

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The Green Inferno, USA 2013

mit Lorenza Izzo, Ariel Levy und Aaron Burn
Regie: Eli Roth

Um das Wichtigste gleich vorweg zu nehmen: The Green Inferno ist kein guter Film. Er ist auch keine besonders glückliche Hommage ans Italienische Kannibalenkino der Siebziger. Das wäre auch ein Widerspruch, denn ein gelungener Kannibalenfilm kann alles Mögliche sein – böse, dreckig, schlampig, versaut und abartig – aber auf keinen Fall ein guter Film. Womit ich nicht (mehr …)

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Horsehead, FR 2014

mit Lilly-Fleur Pointeaux, Catriona MacColl, Murray Head
Regie: Romain Basset

„Fievre“, also „Fieber“, heißt dieser Film im Original und umschreibt ungleich besser als der irreführende „deutsche“ Verleihtitel, worum es hier geht: um eine delirierende Erfahrung jenseits von Wachzustand und Realität. Wer also einen konventionellen Horrorthriller mit stringentem Plot erwartet ist hier schief gewickelt. (mehr …)

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The Hateful 8, USA 2015

mit Samuel L. Jackson, Kurt Russell, Jennifer Jason Leigh
Regie und Drehbuch: Quentin Tarantino

„Let`s slow things down a bit.“ Dieser Satz aus dem Mund der von Samuel L. Jackson oscarreif dargebotenen Figur Major Marquis Warren könnte wie ein Motto über diesem Film stehen, in dem Zeit der alles bestimmende Faktor ist. Über drei Stunden Laufzeit nimmt sich Quentin Tarantino für eine im Grunde sehr einfache Geschichte, die darüberhinaus fast ausschließlich in einem einzigen abgeschlossenen Raum spielt. Aber wie schon so oft bei Tarantino ist hier nicht die Geschichte das eigentlich Wichtige – es ist das Erzählen selbst. (mehr …)

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Masks, DE 2011

mit Susen Ermich, Magdalena Ritter, Julita Witt
Regie: Andreas Marschall

Stella ist jung, schön, ehrgeizig und hat nur ein Ziel: Erfolg als Schauspielerin. Aber leider hapert es mit der Authentizität ihrer Darstellung, und so ist die einzige Schauspielschule, die sie aufnehmen will, ein obskurer, sektenartiger Verbund, der in einer abgelegenen Villa untergebracht ist – bewegte Vergangenheit und verbotene Gebäudeflügel inklusive. (mehr …)

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Evil Dead Scene

The Evil Dead, USA 1981

mit  Bruce Campbell, Ellen Sandweiss, Richard DeManincor
Regie: Sam Raimi

Fünf junge Leute fahren für ein Vergügungswochende zu einer Hütte in den Wäldern von Tennessee. Mit einem im Keller entdeckten Tonband entfesseln sie versehentlich einen unsichtbaren Dämon, der nach und nach von den Freunden Besitz ergreift und dem letzten verbliebenen Ash nur eine Wahl läßt: ihre Körper bis zur Unkenntlichkeit zu zerstören. (mehr …)

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Let Us Prey, GB/IE 2014

mit Liam Cunningham, Pollyanna McIntosh und Bryan Larkin
Regie: Brian O’Malley

Ohne Zweifel hat das irische Kino den Katholizismus als Themenfeld wiederentdeckt. Mit „Am Sonntag bist du tot“ und „Let us Prey“ kamen 2014 gleich zwei irische Produktionen ins Kino, die sich auf sehr eigenwillige Weise mit dem Glauben, beziehungsweise dem Abfallen von selbigem beschäftigen. Während sich ersterer Film als elegische und bisweilen grimmig-lustige Studie über die Abgründe des Kleinstadtlebens rund um einen bedrohten Priester gibt, ist „Let us Prey“ alles andere als elegisch: ein waschechter Horrorfilm mit Westernelementen. Im Mittelpunkt steht die junge Polizistin Rachel, die in eine Kleinstadt für Recht und Ordnung sorgen soll. Doch ihre erste Nachtschicht entwickelt sich rasch zum Alptraum. Nachdem sie auf den ausgestorbenen Straßen einen jungen Verkehrsrowdy in Gewahrsam genommen hat, schickt sie ihre Kollegen auf die Suche nach dem vermeintlichen Unfallopfer. Diese kehren mit einem wortkargen Fremden zurück, der mit subtilen Manipulationen nicht nur die Polizisten, sondern auch die anderen Insassen der Arrestzellen irritiert, indem er an ihre tiefsten Geheimnisse rührt. Jeder hat etwas zu verbergen, und sei es mit brachialster Gewalt. So bricht in dem kleinen Polizeirevier denn auch bald die Hölle los, und Rachel befindet sich mehr und mehr auf verlassenem Posten.
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Starry Eyes, US 2014

mit Alex Essoe, Amanda Fuller, Noah Segan und Fabianne Therese
Regie: Kevin Kölsch und Dennis Widmyer

Ein junges Mädchen in der Warteschleife der Traumfabrik: Immer wieder nimmt die hübsche Sarah Castingtermine in Hollywood war, lebt in einem Apartmentkomplex mit anderen Wartenden. Sie lernt Texte, denkt und fühlt sich in Rollen hinein und präsentiert das transformierte Ich den Augen der Jury und den Augen der Kamera. Um nicht auf der Straße zu leben, quetscht sie ihren dünnen Körper in die lächerliche Uniform eines Hamburgerladens. Sie gibt ein Stück von sich auf. Im Alltag bedeutet dies, sich im Angesicht von Friteusenfett und des Franchisetraums ihres Managers, eine andere Zukunft auszumalen. Sarah ist fragil, ihre Nerven angeritzt. Ablehnung oder Kritik gehen tief bei ihr, sind kaum auszuhalten. Sie verletzt sich selbst, reißt sich in Stresssituationen immer wieder Haare aus ihrer Pracht. Als sie nach einem Vorsprechen bei ihrem autodestruktiven Ritual erwischt wird, erhält sie plötzlich die volle Aufmerksamkeit der Filmindustrie. (mehr …)

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Un lac, F 2008

mit Dmitriy Kubasov, Natálie Rehorová, Alexei Solonchev, Simona Huelsemann
Regie: Philippe Grandrieux

Alles ist Dunkelheit. In Grandrieuxs Inszenierung einer Geschwisterliebe mischen sich filmische Wischtechniken mit Epiphanien und nur durch Baumwipfel und den allgegenwärtigen Schnee dringt Licht in die Bilder. In einer fiktiven Nordlandschaft entwickelt Regisseur Philippe Grandrieux die Geschichte einer Familie, deren Verhältnis von Zuneigung und Nähe hinterfragt wird. Die blinde Mutter beobachtet aus der dunklen Höhle ihrer Waldhütte teilnahmslos wie Bruder (Dmitry Kubasov) und Schwester (Natalia Rehorva) in der Einsamkeit die Nähe eines Liebespaares erforschen, bis ein Fremder Holzfäller (Alexei Solonchev) auftaucht und die dunkle Idylle aufbricht. Die Schwester verliebt sich in ihn und ihr Bruder verliert sich in Eifersucht. (mehr …)

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Im Augenblick der Angst, E 1987

mit Zelda Rubinstein, Michael Lerner und Talia Paul
Regie: Bigas Luna

Wenn man lang genug in einen Abgrund hineinblickt – heißt es bei Nietzsche – dann blickt der Abgrund irgendwann zurück. Dasselbe gilt auch für Filme, und in ganz besonderem Maße für „Im Augenblick der Angst“ von Bigas Luna. Entstanden Mitte der Achziger Jahre, auf dem Höhepunkt der Teenie-Horror-Welle, ist er eine Reflexion über das Slashergenre, gleichzeitig aber auch ein Film über das Publikum selbst, indem er zeigt, was geschieht, wenn ein Film plötzlich Macht über seine Zuschauer bekommt. Im Zentrum steht der von Michael Lerner herrlich verschmitzt gespielte Krankenpfleger mit Mutterkomplex, der auf nächtlichen Raubzügen nach den Augen seiner Mitmenschen trachtet. Und welcher Ort wäre für diese Unternehmung besser geeignet, als ein Kino, in dem ein spannender Film läuft. Es geht also ein Killer um, und wer sich von dem Geschehen auf der Leinwand fesseln läßt, stirbt. Das ist aber alles wiederum nur ein Film, den sich Patty und Linda nachmittags in einem Kino anschauen. Bis Patty merkt, daß die sanfte Hypnose, welche der Film in seinem Vorspann verspricht, beim Publikum ringsum Wirkung zeigt. Geht auch bei ihnen im Saal ein Mörder um? Und tatsächlich sind bald alle Ein- und Ausgänge verrammelt und draußen auf der Toilette stapeln sich die Leichen. (mehr …)

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